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Süddeutsche Zeitung ,  7. April 2020, 21:52 Uhr
https://www.sueddeutsche.de/muenchen/ebersberg/kuenstler-aus-straussdorf-trauer-um-franz-woerle-1.4871612

       Künstler aus Straußdorf: Trauer um Franz Wörle

 

Der Straußdorfer Künstler Franz Wörle war international renommiert. Nun ist er im Alter von 68 Jahren gestorben. Die Beisetzung findet im engsten Kreis statt. (Foto: Christian Endt)

Bodentor, Kasbah, Seelenhaus - so hat er selbst seine Werke genannt. Wuchtige, kraftvolle Objekte sind das, meist aus rostigem Eisen gefertigt, dem Werkstoff, den Franz Wörle im Laufe seines Schaffens zu seinem gemacht hat. Unverwechselbar in ihrer Schlichtheit sind die Objekte; kalt lassen sie selbst Laien nicht. Doch auch in der Fachwelt
war der Straußdorfer Künstler international anerkannt. Nun ist Franz Wörle im Alter von 68 Jahren gestorben.

Wörle war einer der Großen im Landkreis, und er hatte auch ein großes Herz. Wo er helfen konnte, half er. Als die SZ Ebersberg vor ein paar Jahren anfragte, ob er bei einer Wohltätigkeitsaktion zugunsten des Adventskalender, des Spendenhilfswerks der Süddeutschen Zeitung, mitmachen würde, brauchte er keine

Bedenkzeit; auch für Projekte mit Kindern und Jugendlichen war er immer wieder zu gewinnen. Zuletzt unterstützte er Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Kirchseeon bei einem Kunstprojekt zu Anton von Hofstetten, einen der ersten Landtagsabgeordneten aus dem Landkreis Ebersberg.

Studiert hat Wörle an der Akademie der Bildenden Künste in München bei Leo Kornbrust und Aloys Gangkofner. Im Jahr 1982 verlegte der gebürtige Münchner seinen Lebensmittelpunkt in den Landkreis Ebersberg, seine Werke entstanden seitdem in seinem Atelier in Straußdorf, das von einem wunderbaren wilden Garten umgeben war, in dem sogar ein prächtiger Feigenbaum den hiesigen Wintern trotzte. Hier konzentrierte sich Wörle schließlich vor allem auf den Werkstoff Eisen, den er aufgrund seines Widerstands, seiner Robustheit besonders schätzte. Und der noch einen weiteren Vorteil hat, nämlich Dauerhaftigkeit: "200 bis 300 Jahre werden sie schon halten. Regressansprüche muss ich also nicht fürchten", sagte er einmal mit einem Lächeln über seine Kunstwerke.

In Ebersberg war eines der aufsehenerregendsten Kunstprojekte der vergangenen Jahre ihm mit zu verdanken: Er war einer der Initiatoren des Skulpturenpfads im Ebersberger Forst, der einige Jahre lang einen Waldspaziergang zu einem besonderen Erlebnis für alle Sinne machte. Die Freude vieler Menschen über dieses Projekt freute auch Wörle sehr. Anerkennung erhielt er ohnehin von vielen Seiten, die Liste seiner Auszeichnungen ist lang. Seine Kunst ist an vielen öffentlichen Orten zu erleben. Eines seiner letzten größeren Projekte ein war Denkmal zur Erinnerung an die Opfer des Eisenbahnunfalls von Bad Aibling am 9. Februar 2016.

Münchner Merkur, 07.04.2020
https://www.merkur.de/lokales/ebersberg/grafing-ort28746/grafing-bayern-straussdorfer-bildhauer-franz-ferdinand-woe rle-gestorben-13643833.html

          Bildhauer Franz Ferdinand Wörle ist tot:
          Er war ein PR-Mann in Sachen Kunst

           
vonSabine Heine

 

Franz Ferdinand Wörle 2016 im Ebersberger Forst mit seiner Skulptur „Bodentor". © SRO

  Er war ein Verfechter der Freiheit von Kunst: der Straußdorfer Bildhauer Franz Ferdinand Wörle. Nun ist er mit 68 Jahren gestorben.

Grafing – Auch wenn er mit seinem grauen, langen Bart und dem runden Bauch immer so etwas gemütliches, etwas urig Bayerisches ausgestrahlt hat, Franz Ferdinand Wörle war eigentlich das totale Gegenteil davon. Der Künstler war ein Macher, ein Antreiber und Mitreißer. Überaus intellektuell und besonnen zwar in seiner künstlerischen Arbeit, doch durchsetzungsstark und leidenschaftlich, wenn er als PR-Mann in Sachen Kunst durch die Lande zog und um die Freigabe öffentlicher Gelder kämpfte. Dieser Weg ist nun beendet für den Straußdorfer Bildhauer. Franz Ferdinand Wörle ist Ende März gestorben.

Kunstwelt verliert Verfechter der Freiheit von Kunst

Die Kunstwelt, und damit ist nicht nur die regionale gemeint, verliert mit ihm einen Verfechter der Freiheit des Geistes und der Freiheit der Kunst. Wörle konnte ziemlich stur sein, wenn es darum ging, sich für die Sache der Kunst einzusetzen – ja und er liebte den Diskurs darüber so sehr.

Franz Ferdinand Wörle schaffte es mit, aber vor allem auch ohne die Hilfe von Kunstvereinen, Dinge auf die Beine
zu stellen, für die er immer wieder staunende Anerkennung erhielt. Insbesondere mit den vom ihm initiierten Skulpturenpfaden erregte er Aufsehen auch außerhalb der Kunstwelt.

Eine seiner besten „Arbeiten" dieser Art war der Kunstpfad am Forsthaus St. Hubertus

Eine seiner besten „Arbeiten" dieser Art war der Kunstpfad am Forsthaus St. Hubertus im Jahr 2016. Die Staatsforsten hatten mit Wörle einen genialen Organisator gefunden. Wörle und die von ihm eingeladenen Künstlerkollegen schafften es, aus einem schmuddeligen, kleinen Trampelpfad im Wald einen breiten Weg zur Kunst zu machen, den auch Menschen gerne folgten, die sonst überhaupt nichts mit Kunst zu tun haben. Genau darüber hatte sich Wörle ganz besonders gefreut.

Der Bildhauer war damals mit einer für ihn ganz typischen Skulptur beteiligt, mit einem „Bodentor". „Es beschreibt eine Durchgangssituation", sagte Wörle, „einen Durchlass, den man sich erarbeiten muss". Woher kommen wir und wohin gehen wir? Zentrale Fragen seines künstlerischen Ansatzes über Jahrzehnte – gültig bis in den Tod.

SABINE HEINE

Oberbayerisches Volksblatt, 08.04.2020
https://www.ovb-online.de/rosenheim/bad-aibling/trauer-einen-engagierten-kuenstler-13646140.html

            Trauer um einen engagierten Künstler

        

Franz Ferdinand Wörle war über 18 Jahre geschätztes Mitglied im Künstlerischen Beirat der Galerie Markt Bruckmühl. Foto Baumann

Abschied von Franz Ferdinand Wörle – Berater der Galerie Markt Bruckmühl

Bruckmühl – Das unvermutete Ableben des Bildhauers Franz Ferdinand Wörle aus Grafing bei Ebersberg hat in der Region große Betroffenheit ausgelöst. Wörle war nicht nur ein engagierter Künstler, sondern auch eine beliebte Persönlichkeit. Geradlinig wie seine Kunstwerke war sein Wesen, und man kannte ihn als hilfsbereit, aufrichtig und humorvoll. 1950 in München geboren, fühlte er sich bereits in frühen Jahren zur Kunst hingezogen. An der Akademie
der bildenden Künste in München wandte er sich zunächst dem Umgang mit den Materialien Glas, Keramik und Holz
zu, bevor er in Eisen den Werkstoff fand, in dem er seine Vorstellungen am überzeugendsten verwirklichen konnte.

Das Thema Franz Wörles sind streng geometrische, disziplinierte Skulpturen, denen er Bezeichnungen wie Tore, Stelen oder Seelenhäuser gab. Innerhalb eines bewusst eng konzipierten Formenvorrats entstehen immer neue Gestaltungen, keine ist der anderen gleich. Auf Dauer verändert sich die Oberfläche der eisernen Objekte, Rost in allen Rotschattierungen macht die fortschreitende Zeit sichtbar und erzählt von Bestehen und Vergänglichkeit. Beispiele für die sensiblen Eisenskulpturen gibt es mehrere im nahen Umkreis. Vor der Galerie Markt Bruckmühl steht seit der Eröffnung eine Arbeit mit dem Titel

„Tor II". Sie weist darauf hin, dass in dem historischen Italienerhaus die Kunst eine Heimat gefunden hat und hier die Begegnung von Geschichte und Gegenwart vollzogen wird. Eine weitere Skulptur steht derzeit noch im Rahmen des vierten Skulpturenwegs am Bach in Bruckmühl an der Rückseite der Sparkasse.

Und ein sehr hohes, mächtiges „Tor" hat der Bildhauer auf Bitte der Stadt Bad Aibling neben der Stelle des Zugunglücks vom 9. Februar 2016 errichtet. Dieses Tor symbolisiert den „Übergang vom Leben bis in den Tod", möchte der Künstler vermitteln.

18 Jahre gehörte Franz Ferdinand Wörle dem künstlerischen Beirat der Galerie Markt Bruckmühl an. Und obwohl er sein Amt als Juror vor zwei Jahren mit der Begründung „Jetzt sollte ein jüngerer meinen Platz einnehmen" niederlegte, hat man seine Mitarbeit nicht vergessen.

Vieles brachte er ein in das Kunstprogramm der Galerie, so zum Beispiel vier „Skulpturenwege", zwischen 2003 und 2019, für die er nicht nur die Künstler auswählte, sondern auch gemeinsam mit ihnen und dem Bauhof des Marktes Bruckmühl nach Kräften beim Aufstellen der Objekte anpackte.

An drei Ausstellungen des Malers Peter Tomschiczek war er mit seinen Skulpturen in der Bruckmühler Galerie beteiligt, auch in den in großen Abständen stattfindenden Jurorenausstellungen fand man seine Werke. Seine Idee war es, zum vergangenen Jahreswechsel eine Ausstellung mit Radierungen anerkannter Künstler dieses Genres in Bruckmühl zu zeigen.

Franz Ferdinand Wörle erhielt im Laufe seines künstlerischen Schaffens zahlreiche Auszeichnungen und Stipendien. Besondere Erwähnung sollten die Verleihung des Seerosenpreises der Stadt München im Jahr 2016 und das Stipendium am irischen Tyron Guthrie Art Center finden. Im Herbst vergangenen Jahres wurde er zusammen mit den Juroren Herbert Klee und Andreas Legath von Bürgermeister Richter mit der Dankmedaille des Bürgermeisters ausgezeichnet.

Der Markt Bruckmühl, die Galerie und der Förderverein werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren.

Ute Bößwetter

E-Mail an alle Mitglieder der   NMKG    Neue Münchner Künstlergenossenschaft e. V. (10.04.2020)

Liebe Kollegen, Freunde und Mitglieder der NMKG,

vor ein paar Tagen erreichte uns eine sehr traurige Nachricht. In aktuellen Zeiten, die uns einerseits aufwühlen, andererseits doch auch zur Ruhe, Besonnenheit und zum Durchatmen zwingen, umso mehr ein verstörender, erschütternder Schlag:

                         

Franz Ferdinand Wörle verstarb plötzlich und unerwartet am Freitag, den 27. März 2020. Sein Tod macht uns tief betroffen. Wir trauern um einen wunderbaren Menschen und Künstler.

Franz wurde 1952 in München geboren. Er lebte und arbeitete in Straußdorf und München. Er studierte an der Akademie der Bildenden Künste München bei Prof. L. Kornbrust und Prof. A. Gangkofner. Nach längerem Studium unterschiedlicher Materialien hat sich der Künstler für den Werkstoff Eisen entschieden. Wörles bildhauerische Schöpfungen gehen zwar von der reinen, ungegenständlichen Form aus, in der direkten Betrachtung aber kommt es zu einer Personalisierung der Skulptur, zu einer behutsam angedeuteten Beseelung. Es sind keine abstrahierten Stilisierungen der Menschengestalt, sondern Formen, die sich mit der geistigen Dimension menschlicher Existenz auseinandersetzen. Im Laufe seiner künstlerischen Tätigkeit realisierte er zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland sowie diverse Skupturenwege. Viele Auszeichnungen und Ankäufe belegen sein umfangreiches und konsequentes Werk.

Als langjähriges Mitglied und zuverlässiger Schatzmeister der Neuen Münchner Künstlergenossenschaft engagierte sich Franz in vielen Projekten vorbildlich für seine Kolleginnen und Kollegen. Mit seiner Geradlinigkeit, seinem Humor und seiner Tatkraft trug er entscheidend zum Zusammenhalt der NM bei. In freundschaftlicher Verbundenheit und Dank behalten wir Franz Ferdinand Wörle in unserer Erinnerung. Seine Werke wie etwa das „Seelenhaus" sprechen weiter zu uns. .

Esther Glück & Eva Ruhland


Copyright 2020 by Franz F. Wörle, Bildhauer